Hinter den Kulissen: Ein Blick ins Steuerhaus eines Fluss-Seeschiffs

Hinter den Kulissen: Ein Blick ins Steuerhaus eines Fluss-Seeschiffs

Heute nehmen wir euch mit an einen Ort, der auf den meisten Schiffen für Gäste komplett tabu ist: ins Steuerhaus. Also dorthin, wo auch der Kapitän seinen Arbeitsplatz hat.

Auf unserer Reise mit der MS Thurgau Saxonia ging es zur Mittagszeit von Mainz Richtung Koblenz – und wir durften für ein paar Minuten ins Steuerhaus. Dabei handelte es sich nicht um einen „2kreuzfahrer-Bonus", sondern jeder Gast hatte die Möglichkeit, sich in eine Liste einzutragen und sich so einen Besichtigungs-Slot zu sichern. Und das Ganze war komplett kostenfrei.

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Transparenz vorweg: Wir wurden von Thurgau Travel zu dieser Reise eingeladen. An unserer Meinung ändert das aber nichts – wie gewohnt gibt es hier unseren ehrlichen Eindruck.

Die Crew hat sich viel Zeit für die Besichtigungen genommen und sie in kleine Gruppen aufgeteilt, damit auch jeder etwas sieht und genug Raum für Fragen bleibt. Die Möglichkeit haben dann auch sehr viele Gäste in Anspruch genommen.

Erstmal: Es heißt gar nicht „Brücke"

Klassischer Anfängerfehler, den ich direkt gemacht habe: Ich habe vom „Besuch auf der Brücke" gesprochen. Der Kapitän hat das nett lächelnd korrigiert. In der Binnenschifffahrt nennt man das nämlich Steuerhaus (manchmal auch Ruderhaus). „Brücke" sagt man eher auf den großen Hochseeschiffen.

Wieder was gelernt – und ehrlich gesagt passt der Begriff auch besser. Denn was uns sofort aufgefallen ist: Das Steuerhaus ist viel, viel kleiner, als man das von einer AIDA oder einem Mein Schiff her kennt. Das liegt aber auch am Schiff selbst: Die Saxonia ist gerade einmal 82 Meter lang, 9,50 Meter breit und bietet Platz für maximal 84 Gäste, um die sich 22 Crewmitglieder kümmern. Zum Vergleich: Auf einem großen Hochseeschiff sind schnell mehrere Tausend Menschen an Bord.

In das Steuerhaus passen entsprechend vielleicht eine Handvoll Leute, mehr nicht. Bei der Besichtigung wurde es jedenfalls ganz schön eng.

Der Kapitän: präsenter als auf den großen Schiffen

Ein Punkt, der uns die ganze Woche schon aufgefallen ist: Den Kapitän sieht man auf der Saxonia ständig. Mal beim Frühstück, mal kurz im Salon, mal an Deck. Er ist Teil des Bordlebens und niemand, den man nur einmal pro Reise zum Captain's Dinner oder zur Prime-Time-Talkshow zu Gesicht bekommt.

Auf einem Hochseeschiff mit 5.000 Gästen ist der Kapitän eher eine Stimme aus dem Lautsprecher. Hier auf einem Boutique-Schiff mit unter 100 Gästen kommt man tatsächlich ins Gespräch. Und das macht den Unterschied. Beim Besuch im Steuerhaus hat er sich richtig Zeit für uns genommen, Fragen beantwortet und uns die Technik erklärt.

Ein absenkbares Steuerhaus?

Jetzt kommt der Teil, der uns am meisten überrascht hat: Das komplette Steuerhaus der Saxonia ist hydraulisch absenkbar. Das macht aber Sinn, denn auf dem Rhein und vor allem auf der Mosel und dem Main-Donau-Kanal gibt es jede Menge niedrige Brücken. Damit das Schiff da unten durchpasst – und man es nicht ohnehin schon niedriger bauen muss –, fährt das Steuerhaus auf Knopfdruck nach unten. Inklusive Crew, Pult, Bildschirme, einfach alles. Der ganze Aufbau verschwindet ein gutes Stück nach unten.

Der Hintergrund ist eigentlich logisch: Das Steuerhaus ist normalerweise der höchste Punkt des Schiffes, damit der Kapitän rundum freie Sicht hat. Genau deshalb ist es aber auch das Erste, was bei einer niedrigen Brücke im Weg wäre. Übrigens lässt sich auf vielen Binnenschiffen aus demselben Grund auch der Mast am Bug umklappen.

Und auch auf dem Deck heißt es dann: Kopf einziehen. Aber die Crew achtet sehr darauf und warnt die Gäste rechtzeitig, wenn so eine Situation ansteht.

Mehr Steuermöglichkeiten als gedacht

Was ebenfalls interessant ist und ich vorher gar nicht wusste: Neben den Steuermöglichkeiten im Steuerhaus lässt sich das Schiff auch über eine zweite Einheit direkt daneben steuern.

Das wird vor allem in den Schleusen genutzt, um fein zwischen den Schleusenwänden zu manövrieren – und das ist teilweise echt super eng.

Das Bremsmanöver: Wenn das Schiff plötzlich stoppt

Ein weiteres Highlight: Der Kapitän hat uns spontan ein Bremsmanöver demonstriert. Heißt im Klartext: Er hat den Antrieb umgekehrt (vereinfacht gesagt eine Art Schubumkehr) und das Schiff aus voller Fahrt abgebremst.

Was uns überrascht hat: Man spürt das im Schiff deutlich weniger, als man denkt. Klar, es gibt einen kleinen Ruck, das Wasser wird vorne aufgewühlt, aber das Schiff bleibt erstaunlich ruhig. Trotzdem – wenn man dann auf den Bildschirmen sieht, wie schnell die Geschwindigkeit gegen null geht, bekommt man Respekt vor der Technik. Und ehrlich gesagt auch davor, was so ein Kapitän alles im Kopf haben muss, wenn auf dem Rhein viel los ist.

Andere Schiffe auf dem Radar

Spätestens jetzt fühlten Noah und ich uns ein bisschen wie kleine Kinder im Cockpit eines Flugzeugs. 😄 Der Kapitän hat uns nämlich noch das Radar gezeigt – mit allen anderen Schiffen, die gerade um uns herum auf dem Rhein unterwegs waren.

Man sieht da nicht nur Punkte, sondern wirklich Namen, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung. Ein bisschen wie beim Online-Flightradar, nur eben für die Binnenschifffahrt. Und der Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt: Diese Infos kommen streng genommen nämlich nicht vom Radar selbst, sondern von einem System namens AIS (Automatic Identification System). Jedes Schiff funkt darüber automatisch seine Daten – Name, Position, Tempo, Kurs – an alle anderen. Auf dem Rhein ist die Nutzung sogar Pflicht, ein bisschen wie der Transponder beim Flugzeug. Wer also abends an der Reling steht und sich fragt, was das für ein Lichterschiff da hinten ist – die Antwort kennt der Kapitän auf Knopfdruck.

Das System macht aber nicht nur Spaß beim Zuschauen, sondern ist natürlich auch sicherheitsrelevant: Auf dem Rhein ist eine Menge Verkehr unterwegs, von Frachtschiffen über andere Flusskreuzer bis hin zu kleinen Booten. Da hilft so etwas enorm – gerade bei schlechter Sicht oder wenn man hinter einer Flussbiegung sozusagen „um die Ecke schauen" will.

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Unser Fazit zum Steuerhaus-Besuch

So ein Blick hinter die Kulissen ist genau das, was eine Flusskreuzfahrt für uns so charmant macht. Auf den großen Schiffen ist die Brücke ein abgeriegelter Hochsicherheitsbereich, und Besichtigungen sind eher rar – und auch kostspielig. Wobei wir auch dort schon einmal das Glück hatten, eine Besichtigung machen zu dürfen.

Ein Blick hinter die Kulissen: Unsere Brückenführung auf der Majestic Princess 🚢✨
Princess Cruises hatte uns zu einer Brückenführung auf der Majestic Princess eingeladen. Für uns war es das erste Mal, dass wir eine Schiffsbrücke in echt gesehen haben – und wir waren echt beeindruckt. Wir durften uns frei bewegen, Fragen stellen und Fotos machen (Videos sind dort verboten). Rund eine halbe Stunde

Wenn ihr das nächste Mal an Bord von Thurgau seid und dort eine Besichtigung angeboten wird, tragt euch auf jeden Fall in die Liste ein – es lohnt sich.

Mit diesem Beitrag nähert sich unsere kleine Artikelreihe rund um Thurgau langsam dem Ende. Im nächsten Beitrag lassen wir unsere tolle Reise auf der Thurgau Saxonia noch einmal Revue passieren. ABER: Wir haben gute Neuigkeiten für alle, denen diese Artikelreihe gefallen hat – denn dieses Jahr gehen wir wieder mit Thurgau auf Reisen. Das nächste Mal mit der MS Thurgau Prestige. Aber dazu später mehr.

Letzte Aktualisierung: vor 8 Stunden
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