Niedrigwasser: So trifft es die Flusskreuzfahrt gerade

Niedrigwasser: So trifft es die Flusskreuzfahrt gerade
Archivbild

Eigentlich stand für uns heute eine Besichtigung bei einer Reederei in Köln im Kalender. Daraus wird leider nichts. Der Termin fällt ins Wasser, ausgerechnet weil zu wenig Wasser da ist. 😅 Und am Wochenende steigen wir in Linz an Bord und fahren mit Thurgau Travel die Donau hinunter Richtung Budapest. Auch da wackelt gerade so einiges. Deshalb fassen wir hier zusammen, was auf unseren Flüssen los ist und was das für deine Flusskreuzfahrt bedeutet.

Was ist eigentlich ein Pegel?

Kurz vorab, damit die Zahlen gleich Sinn ergeben. Ein Pegel ist eine Messstelle am Fluss, im Grunde ein riesiger Zollstock im Wasser. Er zeigt, wie hoch das Wasser über einem festgelegten Nullpunkt steht. Wichtig: Der Pegelstand ist nicht die Wassertiefe. Ein Pegel von 0 Zentimetern heißt also nicht, dass der Fluss leer ist. In der Fahrrinne, dem tiefen Streifen in der Flussmitte, in dem die Schiffe fahren, ist immer noch deutlich mehr Wasser. Aber jedes Schiff liegt ein Stück tief im Wasser, das nennt man Tiefgang. Wenn unter dem Schiffsboden zu wenig Platz bleibt, ist Schluss.

So wenig Wasser ist gerade in den Flüssen

Seit Mitte Juni hat es kaum richtig geregnet, dazu kamen mehrere Hitzewellen. Deshalb sinken die Pegel seit Wochen. Am Rhein bei Kaub, einer bekannt flachen Stelle im Mittelrheintal, lag der Wasserstand Anfang August unter 30 Zentimetern. In Köln wurde am 1. August mit 67 Zentimetern sogar der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen, zwei Zentimeter weniger als beim bisherigen Rekord von 2018.

Auf der Donau sieht es noch schlechter aus. An der bayerischen Messstelle Pfelling fiel der Pegel Ende Juli auf 216 Zentimeter, so wenig wie noch nie und weniger als beim bisherigen Rekordtief aus dem Sommer 2022. Auch in der Wachau in Österreich wurden am Pegel Kienstock mit 102 Zentimetern so niedrige Werte gemessen wie nie zuvor.

Welche Flüsse sind betroffen und welche nicht?

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde, das sind unter anderem die Fachleute des Bundes für unsere Flüsse, hat zuletzt an rund 44 Prozent der Messstellen am Rhein extrem niedriges Wasser registriert. An der Donau waren es sogar 78 Prozent, an der Elbe 16 Prozent. Es trifft also nicht nur Rhein und Donau, die beiden aber am härtesten.

Auch Mosel und Main machen Probleme. VIVA Cruises kann die Mosel mit seinen Schiffen gerade gar nicht mehr befahren und hat die Fahrten auf den Rhein verlegt. Nicko Cruises dreht seine Rheinrouten seit rund drei Wochen um: Statt von Köln nach Süden Richtung Mittelrhein geht es nach Norden, nach Holland und Belgien.

Warum ausgerechnet dorthin? In Holland und Belgien wird der Wasserstand über Schleusen und Wehre geregelt, dort ist genug Wasser da. Ähnlich sieht es auf Seine, Rhone und Douro aus. Diese Flüsse sind stark verbaut, und die Schiffe dort fahren ganz normal. Wenn du diesen Sommer eine Flusskreuzfahrt in Frankreich, Portugal oder den Niederlanden gebucht hast, stehen die Chancen also gut, dass alles wie geplant läuft.

Rhein: Verspätungen, Schiffswechsel und erste Absagen

Die Köln-Düsseldorfer (KD), die die bekannten Ausflugsschiffe auf dem Rhein betreibt, meldet Verspätungen, einzelne Fahrten zwischen Köln, Bonn und Linz am Rhein fallen aus. Der alte Schaufelraddampfer Goethe bleibt voraussichtlich bis zum 23. August im Hafen, als Ersatz fährt die MS Asbach. Dazu kommt etwas ganz Praktisches: Weil das Wasser so tief unten steht, sind viele Anlegestege gerade extrem steil. Der Weg an Bord wird zur kleinen Kletterpartie.

Auch die Kabinenschiffe, also die schwimmenden Hotels für mehrtägige Reisen, haben zu kämpfen. Einige große Schiffe kommen wegen des flachen Wassers gerade gar nicht mehr bis nach Köln.

Donau: Rekordtief und ein Schiff auf Grund

Auf der Donau ist Ende Juli das passiert, wovor alle Angst haben: Die Viking Ullur ist am 28. Juli in Bulgarien im flachen Wasser aufgesetzt, also auf Grund gelaufen. Die Gäste mussten das Schiff verlassen. Die langen Touren Richtung Donaudelta und Schwarzes Meer gehen gerade gar nicht, und selbst die klassische Route zwischen Passau und Budapest ist laut Branchenberichten im Moment nicht durchgehend befahrbar. Bei VIVA Cruises zum Beispiel ist ab Wien Richtung Bratislava und Budapest derzeit Schluss, von Passau bis Wien geht es noch.

Auch bei den Ausflugsschiffen wird es eng. Die DDSG Blue Danube, die in der Wachau und rund um Wien unterwegs ist, fährt nur noch einen eingeschränkten Fahrplan. Einzelne Stationen in der Wachau werden nicht angefahren, die Strecke zwischen Wien und Bratislava fällt komplett aus. Von den 36 Anlegestellen zwischen Linz und Budapest sind einige vorübergehend gesperrt. In Budapest liegen mittlerweile Sandbänke frei, und schon Mitte Juli blieben nördlich der Stadt Schiffe liegen.

Ein kleiner Lichtblick: In Deutschland und Österreich halten viele Wehre und Schleusen das Wasser wie in Treppenstufen zurück, dort bleibt der Wasserstand einigermaßen stabil. Eine Ausnahme ist der Abschnitt zwischen Straubing und Vilshofen, da fließt die Donau frei und wird schnell flach. In Ungarn fehlen solche Bauwerke fast überall. Deshalb gilt: Je weiter Richtung Südosten, desto schwieriger.

So reagieren die Reedereien

Komplett abgesagt wird bisher nur ein kleiner Teil der Reisen. Viel häufiger ändern die Reedereien die Route, tauschen Schiffe oder setzen Busse ein. An flachen Stellen läuft das oft so: Die Gäste steigen aus, fahren mit dem Bus ein Stück am Fluss entlang und steigen dahinter auf ein Schwesterschiff um. So sieht es bei den großen Anbietern gerade aus:

  • A-ROSA, die deutsche Flussreederei, prüft nach eigenen Angaben jede Reise tagesaktuell und spricht sich dabei mit den Behörden am Fluss ab. Bisher laufen alle Reisen, teils mit angepassten Routen oder anderen Start- und Zielhäfen. Nur wenn eine Reise dadurch ihren Charakter komplett verlieren würde, will A-ROSA sie im Einzelfall absagen.
  • Nicko Cruises hat seit Mitte Juli zwölf Donaufahrten abgesagt, vor allem die langen Touren Richtung Schwarzes Meer. Zur Einordnung: Bei rund 700 geplanten Abfahrten im Jahr ist das bisher ein kleiner Teil.
  • Phoenix Reisen musste die Rhein-Route der Aurelia kurzfristig ändern und eine Donau-Reise der Andrea ganz absagen. Dafür gibt es ein faires Angebot: Wer eine Flusskreuzfahrt auf Donau, Mosel oder Rhein mit Abfahrt bis einschließlich 14. August gebucht hat, kann kostenlos umbuchen (außer Reisen in Holland und Belgien, dort läuft ja alles normal).
  • Thurgau Travel hat vor allem für drei Schiffe auf Rhein und Mosel neue Routen mit anderen Start- und Zielhäfen und Bustransfers organisiert. Betroffen sind in erster Linie Fahrten von Basel Richtung Köln, Düsseldorf und Niederlande. Wird das Programm stark umgebaut, dürfen Gäste, laut Informationen von Touristik Aktuell, kostenlos von der Reise zurücktreten.
  • VIVA Cruises hat fünf Schiffe auf Rhein, Main und Mosel im Einsatz, die das Niedrigwasser alle unterschiedlich stark spüren. Zwei Reisen fielen schon komplett aus, eine rund um Wien und eine von Straßburg nach Düsseldorf, weil passende Anlegeplätze fehlten.

Manche Veranstalter geben bei geänderten Routen außerdem Rabatte oder schenken den Gästen das Ausflugspaket. Das Problem für alle: Oft entscheiden wenige Zentimeter, ob ein Abschnitt noch geht oder nicht. Die Wasserstände schwanken teils an einem einzigen Tag um mehrere Zentimeter. Deshalb kommen viele Änderungen sehr kurzfristig, manchmal erst am Vortag.

Unser Wochenende: mit Thurgau Travel von Linz Richtung Budapest

Für uns wird das Ganze jetzt sehr konkret. Am Wochenende gehen wir in Linz an Bord und fahren Richtung Budapest, also mitten durch die Abschnitte, über die gerade alle reden: durch die Wachau mit ihrem Rekordtief und weiter auf den ungarischen Teil der Donau.

Ob bei uns alles wie geplant klappt, wissen wir ehrlich gesagt trotzdem noch nicht. Wir rechnen damit, dass sich am Fahrplan noch etwas ändert, vielleicht andere Anlegestellen, vielleicht der ein oder andere Bustransfer. Wir nehmen euch wie immer mit und berichten ehrlich, wie so eine Flusskreuzfahrt bei extremem Niedrigwasser abläuft. Es bleibt spannend.

Deine Flusskreuzfahrt steht an? Das kannst du tun

  • Schau vor der Abreise auf die Info-Seiten deines Veranstalters. Die KD und Phoenix Reisen haben zum Beispiel eigene Niedrigwasser-Seiten mit aktuellen Hinweisen.
  • Hinterlege beim Veranstalter oder Reisebüro eine aktuelle Handynummer und E-Mail-Adresse. Änderungen kommen oft erst wenige Tage oder sogar Stunden vorher.
  • Storniere nicht vorschnell. Die meisten Reisen finden statt, nur eben angepasst. Wer unsicher ist, kann Umbuchungsangebote wie das von Phoenix Reisen nutzen.
  • Plane deine An- und Abreise flexibel, denn Start- und Zielhafen können sich kurzfristig ändern. Bei eigener Anreise lohnen sich gerade stornierbare oder flexible Tickets.
  • Kenne deine Rechte: Fällt ein fest zugesagter Hafen aus, kannst du unter Umständen einen Teil des Reisepreises zurückbekommen. Reiserechtsanwalt Kay Rodegra spricht in den Medien von einem Reisemangel. Wende dich dafür zuerst an deinen Veranstalter.
  • Stell dich auf Kompromisse ein. Bustransfers und geänderte Anlegestellen gehören in diesem Sommer einfach dazu, und Sicherheit geht immer vor.

Wie geht es weiter?

Kurzfristig ist leider keine Besserung in Sicht. Die Fachleute der Bundesanstalt für Gewässerkunde rechnen frühestens Ende August damit, dass wieder spürbar mehr Wasser in der Donau ankommt, und selbst das ist eher ein Fifty-fifty-Tipp. Dazu kommt: September und Oktober sind normalerweise sowieso die Monate mit dem wenigsten Wasser in unseren Flüssen. Ohne kräftigen Regen über mehrere Tage bleibt es also angespannt.

Wir melden uns ab dem Wochenende von der Donau. Bist du gerade selbst von Änderungen oder Absagen betroffen? Schreib es gern in die Kommentare, wir sind gespannt auf eure Erfahrungen

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