Mehr als nur Standard? Unser erster Eindruck der VIVA ONE

Mehr als nur Standard? Unser erster Eindruck der VIVA ONE
VIVA ONE am Joseph-Beuys-Ufer in Düsseldorf / Foto: 2Kreuzfahrer.de

Vor ein paar Wochen ergab sich für uns die Möglichkeit, das neueste Schiff von VIVA Cruises unter die Lupe zu nehmen. Die Rede ist von der VIVA ONE. Der Anlass war ein "Tag der offenen Tür" in Düsseldorf. Dabei hat VIVA Cruises nicht nur die Presse eingeladen, sondern das Schiff für jeden geöffnet, der Lust hatte, es sich anzusehen.

Entsprechend voll war es dann auch. Da wir uns als ganz normale Besucher unter die Menge gemischt haben, gab es keine Sonderbehandlung und niemand wusste, wer wir sind. Das war gut für einen unverfälschten Eindruck, aber schlecht für die Fotos – es war eine echte Herausforderung, Bilder zu machen, ohne dass ständig jemand durchs Bild lief.

Düsseldorf liegt für uns quasi um die Ecke, also hieß es ab ins Auto und los zur VIVA ONE.

Der erste Eindruck an Bord

Ganz frei bewegen konnte man sich an Bord allerdings nicht. Es gab geführte Rundgänge, durch die man geschleust wurde. Trotzdem haben wir versucht, alles Wichtige einzufangen. Für die Besucher gab es Snacks und Getränke und wer überzeugt war, konnte direkt vor Ort eine Reise buchen. Für VIVA war das sicher eine erfolgreiche Marketing-Aktion. Für uns war es die Chance, das Schiff mal zu sehen, ohne direkt Passagier auf einer Reise zu sein.

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Wichtig zur Einordnung: Das hier ist ein "First Look". Das Schiff macht einen sehr guten Eindruck, aber wie der Service, das Essen und der Alltag während einer echten Flusskreuzfahrt sind, können wir nach diesem kurzen Besuch im Hafen natürlich noch nicht beurteilen.

Wer steckt hinter VIVA Cruises?

Kurz zu den Hintergründen, falls ihr die VIVA Cruises noch nicht kennt: VIVA Cruises sitzt in Düsseldorf und wurde 2018 als Marke der Schweizer Scylla AG gegründet. Sie positionieren sich als moderner Premium-Veranstalter für Flussreisen in Europa.

Die Muttergesellschaft Scylla ist dabei kein Neuling, sondern existiert schon seit 1973 und betreibt heute rund 40 Flussschiffe. VIVA Cruises selbst hat aktuell etwa ein Dutzend Schiffe auf Rhein, Donau und anderen Flüssen im Einsatz – Tendenz steigend.

Fakten zur VIVA ONE

Die VIVA ONE ist seit 2022 unterwegs und der erste eigene Neubau von VIVA Cruises. Hier die harten Fakten:

  • Länge: 135 Meter
  • Breite: 11 Meter
  • Kapazität: Bis zu 176 Gäste
  • Kabinen: 88 (inklusive vier Suiten und sechs Junior-Suiten)
Deckplan: VIVA Cruises / Quelle: Scylla AG

Das Schiff verteilt sich auf drei Passagierdecks. Wer auf dem Rubin- oder Diamantdeck wohnt, hat überwiegend französische Balkone.

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Die drei Decks (Smaragd, Rubin, Diamant) sind per Aufzug verbunden. Das klingt banal, ist auf Flussschiffen aber längst kein Standard und für ältere Semester oder Leute mit Gehbeeinträchtigung entscheidend.

Design und Atmosphäre

Man merkt an Bord recht schnell, dass VIVA versucht, sich optisch vom klassischen, teils etwas altbackenen Flusskreuzfahrt-Image zu lösen. Das Interieur wirkt skandinavisch: viel helles Holz, gedeckte Farben und verhältnismäßig große Fensterflächen. Das schafft ein Raumgefühl, das auf einem 135-Meter-Schiff nicht selbstverständlich ist.

Zentraler Punkt ist die Lounge mit Panorama-Bar und Tanzfläche auf dem Diamantdeck.

Beim Essen setzt man auf Flexibilität im Hauptrestaurant "RIVERSIDE". Es gibt keine festen Tischzeiten oder starre Sitzordnungen, sondern man kommt während der Öffnungszeiten, wann es passt. Wer es abends ruhiger oder eine kleinere Karte mag, kann alternativ ins "VIVAs Bistro" ausweichen.

Kabinencheck: Kabine 208

Wir haben uns mehrere Kabinen angesehen, genauer unter die Lupe genommen haben wir dabei die Doppelkabine 208 auf dem Rubin-Deck.

Die Kabine 208 wirkte hell und aufgeräumt. Der französische Balkon lässt viel Licht rein. Die Ausstattung ist funktional und modern: Doppelbett, Arbeitsecke mit Schreibtisch, Flachbild-TV und Stauraum, der für eine Woche Flusskreuzfahrt reichen sollte. Es wirkt nicht überladen.

Wellness und Sport

Im Unterdeck gab es für mich eine positive Überraschung. Unsere Erfahrung mit Flusskreuzfahrtschiffen ist bisher überschaubar, und aus der Theorie kennt man es so, dass Wellnessbereiche auf dem Fluss oft sehr begrenzt ausfallen – vor allem aus Platzgründen. Auf diesem Schiff ist das Angebot jedoch größer als erwartet. Es gibt eine Sauna, ein Dampfbad sowie einen Fitnessraum. Letzterer ist zwar kompakt, die Geräte machten aber einen modernen und gepflegten Eindruck. Zusätzlich steht ein Massageraum für Anwendungen zur Verfügung. Als ich das Schiff später noch einmal von außen gesehen habe, wurde mir erst richtig bewusst, wie viel hier im Inneren untergebracht ist. Mit einem solchen Angebot an Bord hätte ich auf einem Flussschiff ehrlich gesagt nicht gerechnet.

Das letzte Wellness-Highlight befindet sich draußen: Auf dem Sonnendeck gibt es einen Whirlpool. Klar, das ist kein Pool, um Bahnen zu ziehen, aber um entspannen reicht es allemal.

Technik und Umwelt

VIVA Cruises betont gerne das Thema Nachhaltigkeit. Was steckt dahinter?

  • Solar: Auf dem Sonnendeck sind 68 Solarzellen verbaut, die das Bordnetz unterstützen (z.B. für das Bugstrahlruder).
  • Kraftstoff: Die Motoren laufen mit synthetischem GTL-Diesel, was die lokalen Emissionen senkt. Man riecht also auch weniger Abgase an Deck.
  • Sonstiges: Es gibt einen effizienteren Rumpf, einen kraftstoffsparenden Autopiloten und Wasserstationen zum Nachfüllen, um Plastikflaschen zu vermeiden.

Machen wir uns nichts vor: Das Schiff ist damit nicht klimaneutral. Aber der Einsatz von GTL und Solar ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung und mehr, als viele ältere Pötte auf den Flüssen bieten.

Unser Fazit zur Besichtigung

Die VIVA ONE wirkt durchdacht. Das Design ist klar, der Wellnessbereich für Flussverhältnisse überdurchschnittlich und das "All-Inclusive"-Konzept mit flexiblen Essenszeiten dürfte viele ansprechen, die keine Lust auf steife Etikette haben.

Der Whirlpool ist ein nettes Feature, auch wenn er bei voller Belegung sicher schnell voll ist. Insgesamt liefert das Schiff in unseren Augen mehr Komfort als der Durchschnitt auf dem Fluss. Ob das "Erlebnis-Paket" auch im Reisealltag hält, was die Optik verspricht, müssen wir bei einer echten Fahrt testen. Der erste Eindruck beim Open Ship Day war jedenfalls solide.

Letzte Aktualisierung: vor 7 Stunden
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